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Ausgleichsabgabe – kurz und knapp:

Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten sind verpflichtet, wenigstens fünf Prozent der Arbeits­plätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Erfüllen Sie diese Quote nicht, fordert der Staat eine Ausgleichsabgabe.

Wer die Bonner Werkstätten beauftragt, kann unter bestimmten Bedingungen die Ausgleichsabgabe reduzieren. Da die Bonner Werkstätten eine anerkannte Einrichtung im Sinne des Neunten Sozial­gesetzbuches (SGB IX) sind, kann der Auftraggeber bis zu 50 % des Lohnanteiles anrechnen.

Eine Musterrechnung:

  • Unser Kunde Firma XY hat im Jahresdurchschnitt 61,5 Beschäftigte.
  • Gemäß den gesetzlichen Vorgaben wären 5 % schwerbehinderte Menschen direkt zu beschäfti­gen. Dies wären rechnerisch 3,08 schwerbehinderte Beschäftigte.
  • Tatsächlich beschäftigt Firma XY im Jahresschnitt aber nur 1,5 schwerbehinderte Menschen.
  • Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren muss Firma XY jährlich € 9.600,-- Ausgleichs­abgabe zahlen.
  • Gleichzeitig hat Firma XY aber Aufträge an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen verge­ben, insgesamt für € 20.000,--.
  • Im Betrag von € 20.000,-- sind ausgewiesene Lohnkosten (= Arbeitsleistung einer Werkstatt) von € 12.000,-- enthalten.
  • Von diesen € 12.000,-- können 50 % (= € 6.000,--) auf die Ausgleichsabgabe angerechnet wer­den.
  • Demnach sind, begünstigt durch die Auftragsvergabe an eine Werkstatt für Menschen mit Behinde­rungen, tatsächlich nur € 3.600,-- zu zahlen.


    Hilfe, Unterstützung, Online-Berechnung:
    www.integrationsaemter.de
    www.rehadat.de/elan
    www.wfb-net.de


  • Auszüge der Gesetzestexte (SGB IX)

    § 71 SGB IX

    Pflicht der Arbeitgeber zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen

    (1) Private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen im Sinne des § 73 haben auf wenigstens 5 Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen.
    Dabei sind schwerbehinderte Frauen besonders zu berücksichtigen.

    § 77 SGB IX

    Ausgleichsabgabe

    (1) Solange Arbeitgeber die vorgeschriebene Zahl schwerbehinderter Menschen nicht beschäftigen, entrichten sie für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen monatlich eine Ausgleichsabgabe. Die Zahlung der Ausgleichsabgabe hebt die Pflicht zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nicht auf. Die Ausgleichsabgabe wird auf der Grundlage einer jah­resdurchschnittlichen Beschäftigungsquote ermittelt, indem aus den monatlichen Beschäfti­gungsdaten der Mittelwert der Beschäftigungsquote eines Kalenderjahres gebildet wird.

    (2) Die Ausgleichsabgabe beträgt je Monat und unbesetzten Pflichtarbeitsplatz

    1. 105 Euro bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von 3 Prozent bis weniger als dem geltenden Pflichtsatz,

    2. 180 Euro bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von 2 Prozent bis weniger als 3 Prozent,

    3. 260 Euro bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von weniger als 2 Prozent.
    Abweichend von Satz 1 beträgt die Ausgleichsabgabe je Monat und unbesetzten Pflicht­arbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen

    1. für Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich bis zu 39 zu berücksichtigenden Arbeitsplätzen bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigung von weniger als einem schwerbehinderten Menschen 105 Euro und

    2. für Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich bis zu 59 zu berücksichtigenden Arbeitsplätzen bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigung von weniger als zwei schwerbehinderten Men­schen 105 Euro und bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigung von weniger als einem schwerbehinderten Menschen 180 Euro.

    § 140 SGB IX

    Anrechnung von Aufträgen auf die Ausgleichsabgabe

    (1) Arbeitgeber, die durch Aufträge an anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen zur Beschäfti­gung behinderter Menschen beitragen, können 50 vom Hundert des auf die Arbeitsleis­tung der Werkstatt entfallenden Rechnungsbetrages solcher Aufträge (Gesamtrechnungsbetrag abzüglich Materialkosten) auf die Ausgleichsabgabe anrechnen. Dabei wird die Arbeitsleistung des Fachpersonals zur Arbeits- und Berufsförderung berücksichtigt, nicht hingegen die Arbeits­leistung sonstiger nichtbehinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Bei Weiterveräußerung von Erzeugnissen anderer anerkannter Werkstätten für behinderte Menschen wird die von diesen erbrachte Arbeitsleistung berücksichtigt. Die Werkstätten bestätigen das Vorliegen der Anrech­nungsvoraussetzungen in der Rechnung.

    (2) Voraussetzung für die Anrechnung ist, dass

    1. die Aufträge innerhalb des Jahres, in dem die Verpflichtung zur Zahlung der Ausgleichs­abgabe entsteht, von der Werkstatt für behinderte Menschen ausgeführt und vom Auftrag­geber bis spätestens 31. März des Folgejahres vergütet werden und

    2. es sich nicht um Aufträge handelt, die Träger einer Gesamteinrichtung an Werkstätten für behinderte Menschen vergeben, die rechtlich unselbständige Teile dieser Einrichtung sind.

    (3) Bei der Vergabe von Aufträgen an Zusammenschlüsse anerkannter Werkstätten für behinderte Menschen gilt Absatz 2 entsprechend.